DETAIL 1-2/2019
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Materialästhetik

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DETAIL 1-2/2019

Materialästhetik

Aus dem Editorial der Ausgabe 1-2/2019:

Kann Architektur lügen? Oder, anders gefragt: Wann ist ein ­Gebäude „ehrlich“ zu den darin verbauten Materialien? Die ­Debatte um Authentizität von Materialien auf der einen und kunstvolle Verkleidung auf der anderen Seite ist seit Jahrhunderten fester Bestandteil des Architekturdiskurses. In der ­aktuellen Ausgabe von Detail loten wir aus, wie sich dabei die Kategorien angesichts neuer technischer Möglichkeiten verschieben. 

In Zürich etwa haben Diener & Diener die neue Verwaltungszentrale der Swiss Re in einen filigranen Vorhang aus gebogenen Glasscheiben gehüllt. Der sanfte Wellenschlag verleiht nicht nur der Gebäudehülle Tiefe, sondern gliedert den Baukörper zugleich ganz klassisch in Sockel, Mittelteil und zwei Attikageschosse. In Stockholm hüllten Urban Design und Gottlieb Paludan Architects den Stahlskelettbau eines Heizkraftwerks in großformatige Terrakottaelemente. Im südportugiesischen Grândola schließlich überzogen Aires Mateus den skulpturalen Neubau eines Altenbegegnungszentrums mit einem glatt verputzten Wärmedämmverbundsystem. Ist das nun verlogen? Und wie definiert sich Materialehrlichkeit im Fall von Verbundwerkstoffen wie der großen Sandwichpaneele, aus denen Alejandro Soffia ein Doppelhaus an der chilenischen Pazifikküste konstruiert hat?

Bei allen Projekten in diesem Heft prägen die verwendeten Materialien entscheidend den Ausdruck des Gebäudes. Und sie alle belegen, dass bisherige Gewissheiten bei der Beurteilung von Werkstoffen in Bewegung geraten sind. Das gilt erst recht, wenn Materialien mit 3D-Druckverfahren gefügt werden. Dabei entstehen gedruckte Sandsteinelemente mit Bindemitteln aus Kunstharz oder auch eine Stahlbrücke, bei der niemand so genau weiß, ob das in ihr verbaute Material überhaupt Zugspannungen aufnehmen kann. Diese und andere Beispiele in unserem Technikbeitrag zeigen: Hier sucht eine neue Technologie nach der ihr gemäßen Formensprache, wobei die Auslese zwischen sinnvollen und unsinnigen Ansätzen oft noch bevorsteht. Dennoch wird uns der 3D-Druck sicher erhalten bleiben – dafür sind die Hoffnungen, die sich in puncto Zeit- und Kostenersparnis sowie Gestaltungsfreiheit an ihn knüpfen, einfach zu groß.

Sandra Hofmeister, Jakob Schoof und das Redaktionsteam

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